Biokraftstoff - Nachhaltigkeit garantiert.


Studie: Sichere Nahrungsmittelversorgung auch durch Biokraftstoffe

Berlin,

Der weltweite Hunger kann dadurch bekämpft werden, dass nachhaltig hergestellte Biokraftstoffe genutzt werden. Bioenergie konkurriert nämlich nicht zwangsläufig mit der Lebensmittelherstellung um Land, im Gegenteil: Es muss ein gemeinsamer Ansatz entwickelt werden, um Agrarrohstoffe für verschiedene Nutzungen sinnvoll einzusetzen. Zu diesen Ergebnissen kommt ein vor kurzem von weltweit führenden Forschungsinstituten veröffentlichter wissenschaftlicher Aufsatz mit dem Titel „Reconciling food security and bioenergy: priorities for action“. Demnach haben in der Vergangenheit vereinfachende Analysen und Schlagzeilen über Biokraftstoffe Öffentlichkeit und Politik in die Irre geführt. Diese Beiträge waren möglicherweise gut gemeint, haben aber die tatsächlichen Ursachen für Hunger nicht benannt. Deshalb sind die großen Chancen der Bioenergie zur Problemlösung lange Zeit nicht berücksichtigt worden. „Die jetzt veröffentlichte Studie stellt die Diskussion um Biokraftstoffe vom Kopf auf die Füße. Biokraftstoffe können zur Hungerbekämpfung beitragen, indem zum Beispiel Landwirtschaft, Lagerung und Logistik verbessert werden. Die Nachfrage nach Biokraftstoffen stabilisiert Agrarpreise und bietet Einkommen in der Landwirtschaft des globalen Südens. Nachhaltig hergestellte Biokraftstoffe sind deshalb ein unverzichtbarer Baustein, um sowohl die Klimaschutz- als auch die Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung zu erreichen“, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Die Verfasser der Studie arbeiten an Forschungsinstituten wie dem International Food Policy Research Institute (IFPRI), dem Imperial College, dem Stockholm Environment Institute (SEI), dem Oak Ridge National Laboratory und der Weltbank. Das IFPRI hatte für die EU-Kommission bereits früher zu Biokraftstoffen geforscht. „Es ist erfreulich, dass sich renommierte Institute wie das IFPRI positiv zu Biokraftstoffen äußern. Die Ergebnisse der Studie sollte die EU-Kommission in ihre Überlegungen für die Zeit nach dem Jahr 2020 einbeziehen, denn es zeigt sich, dass die Biokraftstoffproduktion weltweit günstige Effekte gerade für die Hungernden haben kann“, sagte Baumann.

Die Wissenschaftler stellen fest, dass die Preisspitzen in den Jahren 2007/08 und 2011/12 auf den Weltagrarmärkten unter anderem zustande kamen aufgrund hoher Erdölpreise, starkem Wirtschaftswachstum und damit einhergehenden steigenden Preisen – Biokraftstoffe spielten, anders als vielfach behauptet, keine Rolle. Die Autoren erläutern, dass die einige Jahre bestehende Korrelation zwischen Nahrungspreisen und Biokraftstoffproduktion inzwischen beendet ist, denn die Nahrungspreise sinken, während die Biokraftstoffherstellung weiter ausgebaut wurde. Diese Korrelation haben einige Kritiker von Biokraftstoffen irrtümlich mit einer Kausalität verwechselt. Die Wissenschaftler verweisen darauf, dass es die schlimmsten Hungerkatastrophen der Vergangenheit regelmäßig nach einer Periode niedriger Weltagrarpreise gab. Gleichwohl behaupten die Gegner von Biodiesel und Bioethanol immer wieder, dass Biokraftstoffe die hohen Weltagrarpreise in den Jahren 2007/08 und 2011/12 ausgelöst und dadurch Millionen Menschen in den Hunger getrieben hätten. Durch diesen unzutreffenden Verweis auf Biokraftstoffe als Grund für den Hunger wurden effektive Maßnahmen zur Hungerbekämpfung verhindert, erläutern die Wissenschaftler. „Es ist bitter zu sehen, welche Folgen die unreflektierten Fehleinschätzungen vieler Biokraftstoffgegner hatten: Sie haben eine Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung in Ländern verhindert, die unter Hunger leiden. Wahrscheinlich ungewollt haben sie auch noch dafür gesorgt, den Marktanteil fossiler Kraftstoffe zu schützen“, sagte Baumann.

In ihrer Arbeit sprechen sich die Autoren dafür aus, dass Verallgemeinerungen unterbleiben sollten, wonach Biokraftstoffe als „gut“ oder „schlecht“ für die Nahrungsmittelversorgung eingestuft werden. Vielmehr sollte nach einem Weg gesucht werden, wie Biokraftstoffe zu Entwicklungszielen beitragen können – unter anderem zur Ausrottung des Hungers. Dabei sei die jeweilige lokale Situation maßgeblich. Insbesondere in ländlichen Regionen könnten nachhaltig produzierte Biokraftstoffe dazu beitragen, Energiearmut, schlechte Einkommensverhältnisse und Hunger gleichzeitig zu bekämpfen.

 

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/gcbb.12366/full

https://www.sei-international.org/index.php/news-and-media/3445-is-there-a-role-for-bioenergy-in-the-global-fight-against-hunger

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